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Walter Bauer als Hörspielautor: Gut besuchter Vortragsabend in Merseburg

Zahlreiche Gäste kamen am Donnerstagabend in die Abteilung Merseburg des Landesarchivs Sachsen-Anhalt. Im Rahmen des Walter-Bauer-Gedenkjahres sprach Jürgen Jankofsky dort über „Walter Bauer als Hörspielautor im Nachkriegs-Westdeutschland“.

Zu Beginn zeichnete Dr. Schmalz in seinen Einführungsworten Bauers bewegtes Leben nach: Von Merseburg, wo er am 4. November 1904 geboren wurde, über die literarischen Erfolge der Weimarer Zeit, die Jahre unter der nationalsozialistischen Herrschaft und den Neuanfang nach 1945 bis nach Kanada, wo er am 23. Dezember 1976 starb. Den Bogen zum Archiv spannte Schmalz, indem er den Blick auf eine besondere Quellengattung lenkte. „Hörspiele sind flüchtig. Sie wurden gesendet und verklangen, und was bleibt, sind Manuskripte, Sendeunterlagen und, wenn wir Glück haben, Tonbänder. Dass einige dieser Aufnahmen erhalten sind und wir heute wieder in sie hineinhören können, ist für uns ein Glücksfall“.

Jankofsky, der selbst 1996 den Walter-Bauer-Preis erhalten hatte und als Verwalter des Nachlasses des Schriftstellers fungiert, fokussierte seine Ausführungen auf die literarische Schaffensphase Walter Bauers: So schrieb dieser schon ab 1930 für die Leipziger MIRAG und wurde im selben Jahr mit dem schmalen Buch „Stimme aus dem Leunawerk“ schlagartig berühmt. Kurt Tucholsky, Hermann Hesse und Franz Werfel priesen das Talent des jungen Merseburger Autors, der nach dem Krieg zu einem der erfolgreichsten Hörspielautoren Westdeutschlands wurde. Seine insgesamt 29 Hörspiele handeln von Verlust und Entfremdung und von Schicksalen der Nachkriegszeit, etwa von Kriegsheimkehrern und Umsiedlerinnen.

Weil ihn die politische Restauration in der jungen Bundesrepublik enttäuschte, wanderte er 1952 nach Kanada aus. Dort wandte er sich neuen Stoffen zu, darunter dem Entdecker Sieur de La Salle und dem Naturschützer Grey Owl. Historische Hörbeispiele, Rezitationen und ein Interview von 1952 mit Marie Romain Rolland, der Witwe des französischen Schriftstellers, ließen Bauers zentrales Anliegen hörbar werden: Menschlichkeit und Verständigung über ideologische und nationale Grenzen hinweg.

Jankofsky sprach die Hoffnung aus, dass der Vortrag dazu beitragen könne, diesem Teil seines Werksnachlasses, der mehr als 90 Bücher sowie zahlreiche Hörspiele, Essays und Artikel umfasse, mehr Beachtung zu schenken.

Zum Schluss zog Jankofsky eine Zwischenbilanz zu dem von ihm initialisierten Walter-Bauer-Gedenkjahr: Mit fast 50 Veranstaltungen, die bis nach Wien und Tiflis reichten, habe das Gedenkjahr Bauer neue Aufmerksamkeit verschafft.

Drei Höhepunkte stünden jedoch noch bevor:

  • 2. November: Buchpremiere von Jankofskys Roman „Walter Bauer. Noble Bird“ über Bauers letztes Lebensjahr in Toronto
  • 3. November: Walter-Bauer-Symposium an der Hochschule Merseburg
  • 4. November: Verleihung des Walter-Bauer-Preises an Nancy Hünger an Bauers Geburtstag

Zum Referenten:

Jürgen Jankofsky ist Schriftsteller und war 1996 selbst Träger des Walter-Bauer-Preises. Als Verwalter des Nachlasses von Walter Bauer hat er das Walter-Bauer-Gedächtnisjahr initiiert und organisiert.

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