Nachlese: „Zur Durchführung der nationalsozialistischen Zwangssterilisation auf dem Gebiet der preußischen Provinz Sachsen unter besonderer Berücksichtigung der regionalen Überlieferung (1933-1945)“
Rund 300.000 und damit deutlich mehr Menschen, als heute in der Landeshauptstadt Magdeburg leben, zwang die nationalsozialistische Ideologie durch chirurgische Eingriffe zum unwiederbringlichen Verlust ihrer Fortpflanzungsfähigkeit – darunter auch Kinder. Die Durchführung dieser Zwangssterilisation zwischen 1933 und 1945 bildete das gleichermaßen bedrückende wie nachgefragte Thema, zu dem nun der Historiker PD Dr. phil. habil. Alexander Bastian am Standort Magdeburg des Landesarchivs Sachsen-Anhalt referierte.
Wie bereits in seiner 2023 veröffentlichten und mehr als 900 Seiten umfassenden Habilitationsschrift, für die er jahrelang in etlichen Archiven, darunter vor allem auch am Standort Magdeburg des Landesarchivs, engagiert geforscht hatte, bezog er sich räumlich auf die preußische Provinz Sachsen, ein Teilgebiet des heutigen Landes Sachsen-Anhalt.
Ausgehend vom „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ vom 14.07.1933 als Handlungsrahmen sprach der Referent nicht allein detailliert über den Umfang der nationalsozialistischen Zwangssterilisation in der preußischen Provinz Sachsen. Gleichermaßen kenntnisreich charakterisierte er das Gesetz zudem als praktiziertes Ausschlussverfahren, dem familiäre Hintergründe, die intellektuelle und berufliche Leistungsfähigkeit, Sexualität und Geschlechtsleben sowie lebensweltliche Aspekte als Begründungen für eine angebliche Minderwertigkeit dienten. Wertvolle ergänzende Perspektiven zu Widerständen, Verhaltensweisen und Wahrnehmungen von zwangssterilisierten Menschen boten sich nicht allein anhand eindrücklicher Zitate.
Einmal mehr bestätigten die interessierten Rückfragen im Anschluss des Vortrages, wie wichtig eine wissenschaftliche Auseinandersetzung und Aufarbeitung solcher Themen auch mehr als 80 Jahre nach dem Ende der NS-Diktatur ist.

