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Tag der Archive im Landesarchiv

Ein Besuch im Landesarchiv

Bei bestem Frühlingswetter fanden zahlreiche Neugierige den Weg ins Landesarchiv, um Einblicke in die archivischen Aufgaben und den nicht öffentlichen Magazinbereich zu erhalten. Bei der Gelegenheit konnten sie sich außerdem aktiv an den Vortrags- und Diskussionveranstaltungen zum Rahmenthema beteiligen und zu ihren Fragen mit Archivarinnen und Archivaren ins Gespräch kommen.

Merseburg

Den Auftakt machte der Standort Merseburg am Samstag, den 7. März 2026. Zahlreiche Merseburgerinnen und Merseburger nutzen die Gelegenheit des Mottotags für die Teilnahme an Haus- und Magazinführungen. Intensiv genutzt wurde auch der mittlerweile bewährte Expertentisch, an dem Archivarinnen und Archivare bei der Entzifferung und historischen Einordnung privater historischer Schriften unterstützten. So manche Schriftstücke von Vorfahren wurden auf diese Weise zugänglich. Wer nach den Einblicken in die Archivwelt mit dem Gedanken spielte, selbst den Weg in den Archivarsberuf einzuschlagen, konnte sich bei der Gelegenheit an einem Karrierestand über Ausbildungsmöglichkeiten und Berufsperspektiven informieren.

Daneben präsentierte das Landesarchiv ein breites Programm aus Vorträgen, Präsentationen und Buchvorstellungen, das sich dem Thema Heimat sowie der Aufarbeitung der DDR-Geschichte widmete und dabei die Bedeutung der Archive erläuterte. Die Vorträge von Herrn Johannes Beleites, dem Beauftragten des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, sowie von Herrn John Palatini, Geschäftsführer des Landesheimatbundes Sachsen-Anhalt, waren gut besucht. Noch mehr galt dies für die Buchvorstellungen von Herrn Prof. Dr. Herbert Witte und Dr. Rainer Karlsch. Auf besonderes Interesse stieß schließlich die Enthüllung des vom Landesbeauftragten zur Aufarbeitung erstellten neuen multimedialen Plakats zum 17. Juni 1953.

Magdeburg

Der Hauptstandort Magdeburg begrüßte die Ankommenden in seiner Dauerausstellung, die einen ersten Überblick über das Landesarchiv und seine Aufgaben vermittelt und zugleich Startpunkt für die Archivführungen war. Daneben konnte die Geschichte der baulichen Heimaten des Landesarchivstandorts Magdeburg in einem Filmbeitrag sowie einer Vitrinenausstellung nachvollzogen werden.

Speziell zum Motto „Alte Heimat – neue Heimat“ wurden zudem kommentierte Archivalien der vergangenen Jahrhunderte präsentiert. Diese lieferten Aufschlüsse über die Aufnahme französischer Emigranten im 18. Jahrhundert, die Förderung der Errichtung von Kleineigenheimen für Umsiedler bzw. Neubauern nach dem Zweiten Weltkrieg und die Übersiedlung jüdischer Kontingentflüchtlinge ab 1991.

Die präsentierten Stücke boten Anküpfungspunkte zu vielfältigen weiterführenden Fragen, aber auch zu persönlichen Nutzungsanliegen. Viele Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit, um sich von den Archivarinnen und Archivaren die Recherche- und Forschungsmöglichkeiten im Landesarchiv zeigen zu lassen.

Zum Rahmenthema hielt die Vorsitzende der Liberalen Jüdischen Gemeinde zu Magdeburg e. V., Larisa Korshevnyuk, einen interessanten Vortrag unter dem Titel „Zwischen alter Heimat und neuer Verantwortung – Jüdische Perspektiven auf Demokratie, Erinnerung und Gegenwart.“ Frau Korshevnyuk machte deutlich, dass Heimat nicht etwa ein ausschließlich in der Vergangenheit liegender, fest umrissener Ort ist, sondern vor allem auch in der Zukunft liegt und aktiv zu gestalten ist. Heimat stellt insofern nicht nur einen Ort dar, an dem man ankommt, sondern auch einen Ort, den man mit anderen aufbaut. Heimat entstehe dort, wo Menschen bereit sind, nicht nur da zu sein, sondern mitzuwirken; wo Zugehörigkeit nicht eingefordert, sondern gelebt wird.

Eingeleitet durch die Vorstellung Marcel Giffeys zu einem Plakatprojekt, das die Auszubildenden des Landesarchivs zum Thema „Heimaterleben und -verstehen“ anhand von Beiträgen Prominenter aus Sachsen-Anhalt erarbeitet hatten, folgte am Nachmittag ein Podiumsgespräch. Als Gesprächspartner durften sich die Gäste auf einen Unterstützer dieses Projekts freuen, den ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten und Stadtrat von Halle Dr. Karamba Diaby. Im Dialog mit Dr. Ralf Lusiardi, Leiter der Abteilung 2 des Landesarchivs Sachsen-Anhalt, widmete er sich anhand biographischer Erfahrungen der Vielfalt von Heimat im 21. Jahrhundert.

Publikumsnah und unterhaltsam zugleich berichtete er etwa von den gemischten Gefühlen, die ihn begleiteten, nachdem er 1985 als junger Stipendiat seine bisherige Heimat Senegal zum Studium in der DDR verlassen hatte. In den vier Jahrzehnten, die er mittlerweile in Halle lebt, habe er sich jedoch zunehmend mit seiner neuen Heimat und ihren Bewohnern identifiziert: „Ich habe die ganze Transformation miterlebt: Studium in der DDR, Friedliche Revolution, und – Konsequenz – gebrochene Biographien, die viele von uns haben. […] Wir teilen sehr viel Schicksal. Deshalb sage ich: Ich bin ein waschechter Ossi.“

Gleichwohl sei dieses Heimatgefühl insbesondere durch die Rassismus- und Gewalterfahrungen, darunter den Brandanschlag auf sein Büro, ambivalent. Zwar sei er weder naiv noch unvorsichtig, doch präge sein Heimatgefühl vor allem die erfahrene „unheimlich große Solidarität“: „Die überwiegende Mehrheit in dieser Gesellschaft, die ist weltoffen und solidarisch und demokratisch denkend. […] Dieses Land ist zu schön, um es Menschen zu überlassen, die nur Hass und Hetze als Geschäftsmodell vortragen.“

Auf ein Wiedersehen im Landesarchiv Sachsen-Anhalt

Zahlreiche Besucherinnen und Besucher nutzten den Tag der Archive, um sich über das Landesarchiv zu informieren und mit Archivarinnen und Archivaren ins Gespräch zu kommen. Selbstverständlich stehen wir mit unseren Nutzungsangeboten auch über den Mottotag hinaus allen Interessierten offen: Während unserer Lesesaalöffnungszeiten vor Ort und rund um die Uhr über unsere Onlineangebote.