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Festkolloquium zur Verabschiedung von Dr. Detlev Heiden als Leiter des Landesarchivs Sachsen-Anhalt

Nach mehr als 27 Jahren im Dienste des Landesarchivs, darunter knapp neun Jahre als dessen Leiter, wurde Dr. Detlev Heiden im Rahmen eines Festkolloquiums am 29. April in den Ruhestand verabschiedet.

Zu diesem Anlass würdigte Innenministerin Dr. Zieschang dessen Verdienste: „Herr Dr. Heiden hat über viele Jahre mit außergewöhnlichem Engagement, hoher Fachkompetenz und persönlichem Einsatz die Entwicklung des Landesarchivs maßgeblich geprägt. Unter seiner Leitung wurde der sehr gute Ruf des Landesarchivs weit über Sachsen-Anhalt hinaus gefestigt.“ Dabei hob sie seinen wesentlichen Anteil an der Konzeption und der baulichen Realisierung des neuen, 2011 bezogenen Archivdomizils in der Magdeburger Brückstraße hervor. Mit dem hier umgesetzten Konzept der passiven Klimatisierung nehme der Magazinbau deutschlandweit eine Vorbildfunktion ein. Wichtig für die Entwicklung des Landesarchivs waren darüber hinaus der Einstieg in die elektronische Archivierung und die erheblichen Fortschritte bei der Zugänglichmachung des Archivguts, insbesondere durch eine konsequente Digitalisierung und Online-Stellung. Markante Weichenstellungen in der Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit schließlich waren die Begründung des Periodikums „Archive in Sachsen-Anhalt“ und die Etablierung der archivpädagogischen Publikationsreihe QuellenNAH.

In einem Grußwort bedankte sich Dr. Frank Kreißler für die Zusammenarbeit, die ihn in seiner Doppelfunktion als Leiter des Stadtarchivs Dessau-Roßlau und als Vorsitzender des Landesverbandes Sachsen-Anhalt des Verbandes deutscher Archivarinnen und Archivare über lange Jahre mit Dr. Heiden verbunden hat. Der Archivverbund des Stadtarchivs mit dem Landesarchiv am Standort Dessau habe sich für beide Seiten als überaus vorteilhaft erwiesen. Und die Öffnung des Mehrländerverbundes „Digitale Archivierung Nord“ für nichtstaatliche Archive in Sachsen-Anhalt war und ist eine wesentliche Voraussetzung für deren Bewältigung der Herausforderungen der elektronischen Archivierung.

An diese Würdigungen schloss sich das Fachkolloquium an. Es wurde durch vier Impulsvorträge eingeleitet, die Funktionen und Stellenwert von Archiven in der demokratischen Gesellschaft thematisierten: Max Privorozki für den Landesverband Jüdischer Gemeinden Sachsen-Anhalt, Aleksandar Zekic für den Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, Johannes Beleites, Beauftragter des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, und Maik Reichel, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt, äußerten auch Erwartungen an Archive und knüpften dabei an je eigene Erfahrungen mit dem Landesarchiv an.

Diese Anstöße wurden in der anschließenden, von Dr. Ralf Lusiardi moderierten Podiumsdiskussion aufgegriffen. Dr. Bettina Joergens, die Leiterin des Fachbereichs Grundsätze im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Sven Kriese, Direktor des Landesarchivs Berlin, und Dr. Michael Ruprecht, Direktor des Stadtarchivs Leipzig und Vorsitzender des Verbandes deutscher Archivarinnen und Archivare (VdA), erörterten Rahmenbedingungen und Chancen archivischer Bildungsarbeit wie auch demokratiefördernde Funktionen von Archiven und deren Gefährdungen in einer Zeit zunehmender rechtsextremer Entwicklungen.

Ein besonderer Dank galt Kantorin Shulamit Lubowska und Boris Rosenthal von der Liberalen Jüdischen Gemeinde zu Magdeburg, die mit ihrer eindrucksvollen Darbietung jüdischer Lieder der Veranstaltung einen festlichen Rahmen verliehen.