250 Jahre „Land of the Free”
Was Archivalien des Landesarchivs über frühe Beziehungen zu den USA berichten
Wenn die Vereinigten Staaten von Amerika dieser Tage das 250. Jubiläum ihrer Unabhängigkeitserklärung vom Britischen Königreich feiern, ist nahe des Weißen Hauses auch ein Magdeburger dabei. Denn seit langem hat im angrenzenden Lafayette Park ein Standbild Friedrich Wilhelm von Steubens, des in der Elbstadt geborenen Generals, seinen Platz.
Während die zentrale Rolle von Steubens im Unabhängigkeitskrieg weithin prominent ist, finden sich in Archivalien des Landesarchivs Sachsen-Anhalt noch viele unbekannte Bezüge zu den USA. Spannende Einblicke aus dem 18. und 19. Jahrhundert bietet ab dem 4. Juli 2026 eine neue Ausstellung, die in der Glasvitrine des Standorts Magdeburg zu sehen ist.
„Zwar trennen die Hauptstädte Washington D.C. und Magdeburg mehr als 6.500 km Luftlinie sowie der Atlantische Ozean, doch waren die Verbindungen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und dem Gebiet des heutigen Landes Sachsen-Anhalt seit jeher vielfältig“, weiß Dr. Ralf Lusiardi. Seit dem 1. Mai ist der Archivar und promovierte Historiker Leiter des Landesarchivs Sachsen-Anhalt mit seinen Standorten in Magdeburg, Merseburg, Dessau und Wernigerode.
Großzügige Spende nach Thale
So findet sich zwischen jahrhundertealten Papieren etwa die Geschichte Friedrich Schraders. Es war der 22. Januar 1829 als der Zimmermann an seinem Wohnort Lurgon Township in Pennsylvania einen Brief verfasste. Einige Jahre zuvor war er in die USA ausgewandert, nun adressierte er ein Schreiben an Wilhelm Besser, den Pastor seines Geburtsorts Thale.
„Als die Post mehrere Monate darauf im Pfarrhaus am Harz eintraf, hielt der Geistliche neben dem Brief auch einen Wechsel, also ein Wertpapier, in Händen“, so Lusiardi. Denn Friedrich Schrader hatte sich dazu entschlossen, der Kirchengemeinde seines Heimatorts und seinen Geschwistern eine großzügige Spende zu übermitteln.
Illegale Soldatenwerbung in Blankenburg
Doch auch von unerlaubten Soldatenwerbungen für den Unabhängigkeitskrieg berichten die Archivalien. „Um gegen die aufständischen Kolonisten militärisch vorgehen zu können, benötigte Georg III. als König von Großbritannien und Kurfürst von Hannover viele Soldaten“, erklärt Lusiardi. Europäische Herrscher erkannten darin ein lukratives Geschäft, so auch Herzog Karl I., Fürst von Braunschweig-Wolfenbüttel: „Um seine hohen Staatsschulden abzubauen, vermietete dieser Verwandte des britischen Königs nicht nur eigene Untertanen als Soldaten, sondern ließ vor allem in den Nachbarterritorien wie dem Königreich Preußen weitere Rekruten werben.“
So versuchten braunschweigische Werber im Jahr 1777 beispielsweise, den aus Weddersleben am Harz gebürtigen Heinrich Freist als Soldaten zu gewinnen. In einem Blankenburger Wirtshaus warb ein Unteroffizier um ihn, doch selbst nach drei Flaschen Wein habe sich Freist geweigert, in den Militärdienst einzutreten. „Dennoch sei er am folgenden Morgen entgegen seines Willens gemeinsam mit 13 weiteren Rekruten nach Braunschweig gebracht worden“, berichtet der Leitende Archivdirektor aus den Akten.
Familiennachzug aus Calbe (Saale)
Bekanntermaßen waren die USA jedoch nicht allein Zielort von Soldaten, sondern insbesondere im 19. Jahrhundert für Millionen von deutschsprachigen Auswandererungswilligen. „Auslöser dieser Massenauswanderung waren vor allem Missernten, Ernährungs- und Teuerungskrisen, die mit Unterbeschäftigung und Arbeitslosigkeit zusammentrafen“, so Lusiardi. Dokumentiert sind diese Auswanderungen auch in der staatlichen Überlieferung des Landesarchivs, darunter etwa der Fall Caroline Hensels und ihrer vier Kinder aus Calbe (Saale): „Nachdem ihr Mann, der 37-jährige Schuhmachermeister Christoph Hensel, bereits zuvor in die USA ausgewandert war, wollte seine Familie ihm 1856 folgen.“
Ob die preußischen Behörden der Familie Hensel eine Zusammenführung in den USA genehmigten, welche überraschende Bedingung sich Friedrich Schrader aus Pennsylvania für seine Spende nach Thale erbat und warum der Vater des zwangsrekrutierten Heinrich Freist aus Weddersleben direkt an den Erbprinzen von Braunschweig schrieb, erfahren Sie ab dem 4. Juli 2026 am Standort Magdeburg des Landesarchivs Sachsen-Anhalt in der Brückstraße 2.
Während der Öffnungszeiten (dienstags und mittwochs von 9 – 16 bzw. nach Voranmeldung 19 Uhr, donnerstags von 9 – 17 Uhr) ist die Wechselvitrine im Workshopraum kostenfrei und ohne Anmeldung zugänglich.
Weitere aktuelle Informationen aus dem Landesarchiv, darunter zu vergangenen Vitrinenausstellungen und öffentlichen Vorträgen, finden Sie auf der Homepage.

