Buchpremiere von Verena Meier-Zekić
Kriminalpolizei und Völkermord. Die NS-Verfolgung von Sinti und Roma in Magdeburg und die Aufarbeitung in der SBZ/DDR
Verena Meier-Zekić rekonstruiert in ihrer preisgekrönten Dissertation den Völkermord an Sinti und Roma am Beispiel Magdeburgs und zeigt, wie polizeiliche Routinen, institutionelle Netzwerke und gesellschaftliche Kollaboration die Verfolgung im NS-Regime radikalisierten. Im Zentrum steht die lokale Kriminalpolizei als Schaltstelle eines arbeitsteilig organisierten Staatsverbrechens. Grundlage sind bislang kaum systematisch ausgewertete Akten – darunter 587 nahezu vollständig überlieferte Kriminalpolizeiakten zu einzelnen Verfolgten aus dem Landesarchiv Sachsen-Anhalt – sowie umfangreiche weitere Überlieferungen aus über 30 deutschen und internationalen Archiven.
Erstmals werden die Handlungsspielräume von beteiligten Beamtinnen und Beamten ebenso sichtbar wie die Perspektiven der Verfolgten. Durch die Einbeziehung von Selbstzeugnissen und eine geschlechtergeschichtliche Analyse entsteht eine integrierte Darstellung der NS-Verfolgung von Sinti und Roma, die auch nach dem Widerstand und den Handlungsspielräumen der Verfolgten fragt.
In einer Langzeitperspektive von der Weimarer Republik bis in die 1960er-Jahre untersucht die Studie zudem Kontinuitäten und Brüche nach 1945 – in SBZ und DDR. Sie beleuchtet Zäsuren und Kontinuitäten des Antiziganismus im Polizeiapparat sowie bei der Anerkennung der Überlebenden als Opfer des Faschismus. Die Ambivalenzen verweisen auf die politische Instrumentalisierung bei der Aufarbeitung des NS-Unrechts und die Etablierung einer Fürsorge- und Erziehungsdiktatur nach 1945, die die Gesellschaft im Sinne der SED nach dem Ideal des „neuen sozialistischen Menschen“ formen wollte. Ein grundlegender Beitrag zur NS-Forschung, Polizeigeschichte und DDR-Geschichte.
Die Buchpremiere wird musikalisch begleitet von Manolito Steinbach, einem direkten Nachfahren im Buch erwähnter verfolgter Sinti, sowie Romani Weiss und Hanna Bienert von der Sinti Jazz Connection.
Zur Referentin:
Verena Meier-Zekić, geb. Meier wurde 2024 an der Forschungsstelle für Antiziganismus an der Universität Heidelberg promoviert. Ihre Dissertation über die NS-Verfolgung von Sinti und Roma in Magdeburg erhielt mehrere Auszeichnungen unter anderem den Preis der Lamers Friedensstiftung sowie den Dan David Prize. Sie war außerdem für das Landesarchiv Sachsen-Anhalt als Projektmitarbeitende tätig und erstellte Bildungsmaterialien in der QuellenNAH-Reihe zum Thema Sachsen-Anhalt im Nationalsozialismus sowie Sinti und Roma in Sachsen-Anhalt.
Veranstaltungsort:
Landesarchiv Sachsen-Anhalt
Abteilung Magdeburg
Brückstraße 2
39114 Magdeburg
(Workshop- und Vortragsraum)
Datum:
Mittwoch, 25.11.2026, um 17 Uhr
Alle Interessierten sind zur kostenfreien Veranstaltung herzlich eingeladen. Eine Voranmeldung ist nicht notwendig.
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