Menu
menu

1945-1990

Nach dem Ende des Zwei­ten Welt­kriegs wurde 1945 unter so­wje­ti­scher Be­sat­zungs­herr­schaft eine neue Ver­wal­tungs­ein­heit ge­schaf­fen. Die Pro­vinz Sach­sen um­fass­te nun­mehr auch das Land An­halt, aber nicht mehr den Re­gie­rungs­be­zirk Er­furt.

In den Jah­ren bis 1990 folg­ten meh­re­re Um­be­nen­nun­gen und Ver­än­de­run­gen im Ver­wal­tungs­auf­bau:
1946 wurde die Pro­vinz Sach­sen in Pro­vinz Sachsen-​Anhalt um­be­nannt, 1947 in Land Sachsen-​Anhalt. 1952 er­folg­te die Auf­lö­sung des Lan­des Sachsen-​Anhalt sowie die Bil­dung der bei­den Be­zir­ke Mag­de­burg und Halle.

Das Land Sachsen-​Anhalt

Nach dem Ende des Zwei­ten Welt­kriegs und dem vom 1. bis 3. Juli 1945 west­lich von Elbe und Saale voll­zo­ge­nen Be­sat­zungs­wech­sel wurde gemäß Be­fehl der so­wje­ti­schen Be­sat­zungs­macht eine neue ter­ri­to­ria­le Ver­wal­tungs­ein­heit ge­bil­det: Die seit 1944 be­stehen­den Pro­vin­zen Mag­de­burg und Halle-​Merseburg sowie das Land An­halt wur­den zu einer neuen Pro­vinz Sach­sen ver­ei­nigt. Deren obers­te Ver­wal­tungs­be­hör­de war das Prä­si­di­um der Pro­vinz Sach­sen mit Sitz in Halle, das aus dem Prä­si­den­ten Dr. Er­hard Hü­be­ner und vier Vi­ze­prä­si­den­ten be­stand und mit sei­ner Ver­ord­nung vom 23. Juli 1945 die Grund­la­gen künf­ti­ger Ver­wal­tung be­kannt gab. Die Tä­tig­keit der deut­schen Be­hör­den hatte sich nach den Be­feh­len und An­ord­nun­gen der Be­sat­zungs­macht zu rich­ten, die in der Pro­vinz Sach­sen durch die am 9. Juli 1945 in Halle ge­bil­de­te So­wje­ti­sche Mi­li­tär­ad­mi­nis­tra­ti­on (SMA) in­sti­tu­tio­na­li­siert wor­den war.

Nach der Land­tags­wahl vom 20. Ok­to­ber 1946 kon­sti­tu­ier­te sich am 3. De­zem­ber 1946 eine Pro­vin­zi­al­re­gie­rung der um­be­nann­ten Pro­vinz Sachsen-​Anhalt. Nach der Auf­lö­sung Preu­ßens durch den Al­li­ier­ten Kon­troll­rat im Fe­bru­ar 1947 er­hielt diese mit Wir­kung zum 21. Juli 1947 die Be­zeich­nung Land Sachsen-​Anhalt.
Auf mitt­le­rer Ver­wal­tungs­ebe­ne be­stan­den bis zum 30. Juni 1947 die Be­zirks­ver­wal­tun­gen Mag­de­burg, Mer­se­burg und Des­sau. Auf Kreis­ebe­ne er­ga­ben sich am 27. April 1950 ein­schnei­den­de Ver­än­de­run­gen, als der Land­tag drei der ur­sprüng­lich 33 Land­krei­se und 15 der ur­sprüng­lich 19 Stadt­krei­se auf­lös­te.

Am 23. Juli 1952 ver­ab­schie­de­te die Volks­kam­mer der DDR das „Ge­setz über die wei­te­re De­mo­kra­ti­sie­rung des Auf­baus und der Ar­beits­wei­se der staat­li­chen Or­ga­ne in den Län­dern“, wel­ches die Auf­tei­lung der Län­der in Be­zir­ke zur Folge hatte. Der Land­tag von Sachsen-​Anhalt be­schloss zwei Tage spä­ter die Bil­dung der Be­zir­ke Mag­de­burg und Halle. An­stel­le von Land­tag und Lan­des­re­gie­rung tra­ten die Be­zirks­ta­ge und Räte der Be­zir­ke Halle und Mag­de­burg. Die neuen Ver­wal­tungs­struk­tu­ren waren zuvor auf der 2. Par­tei­kon­fe­renz der SED in Ber­lin mit dem Ziel be­schlos­sen wor­den, ein streng zen­tra­lis­ti­sches Staats­sys­tem zu er­rich­ten.

Im Lan­des­ar­chiv Sachsen-​Anhalt sind aus­sa­ge­kräf­ti­ge be­hörd­li­che Be­stän­de für diese Jahre tief­grei­fen­der ge­sell­schaft­li­cher, ei­gen­tums­recht­li­cher und ad­mi­nis­tra­ti­ver Um­ge­stal­tun­gen über­lie­fert. Die Be­stän­de von Land­tag, Mi­nis­ter­prä­si­dent und Mi­nis­te­ri­en wer­den am Stand­ort Mag­de­burg ver­wahrt. Die Be­stän­de der drei Be­zirks­ver­wal­tun­gen und der je­wei­li­gen Kreis­ver­wal­tun­gen wer­den an den Stand­or­ten Mag­de­burg, Mer­se­burg und Des­sau ar­chi­viert. Die Be­stän­de von Ge­rich­ten und Staats­an­walt­schaf­ten wei­sen grö­ße­re Lü­cken auf.

Zum Sei­ten­an­fang

Der Be­zirk Halle 1952-1990

Mit der Bil­dung von 15 Be­zir­ken ging die DDR im Juli 1952 von der da­mals be­stehen­den Län­der­glie­de­rung ab. Das Land Sachsen-​Anhalt wurde in die Be­zir­ke Halle und Mag­de­burg auf­ge­teilt.
Bei der Ein­rich­tung des Be­zir­kes Halle wur­den um­fang­rei­che Ge­biets­tei­le des ehe­ma­li­gen preu­ßi­schen Re­gie­rungs­be­zir­kes Mer­se­burg vor allem an die Be­zir­ke Cott­bus, Leip­zig und Er­furt, aber auch an die Be­zir­ke Pots­dam und Gera ab­ge­ge­ben. An­de­rer­seits ge­hör­ten nun Teile des ehe­ma­li­gen Lan­des An­halt zum Be­zirk Halle.
Der den­noch viert­größ­te Be­zirk der DDR um­fass­te 20 Land­krei­se sowie die Stadt­krei­se Des­sau, Halle und ab 1967 Halle-​Neustadt. Die Zahl der Krei­se wurde mit der Be­zirks­ein­tei­lung ver­grö­ßert, so­dass sich die Flä­chen der ehe­ma­li­gen Land­krei­se re­du­zier­ten.

Wirt­schafts­struk­tur

Im Ver­gleich zum Be­zirk Mag­de­burg war der Be­zirk Halle vor­wie­gend in­dus­tri­ell ge­prägt, wobei die im 19. und be­gin­nen­den 20. Jahr­hun­dert her­aus­ge­bil­de­te Struk­tur im We­sent­li­chen be­wahrt blieb. Kenn­zeich­nend hier­für ist vor allem die über­pro­por­tio­na­le Rolle der che­mi­schen In­dus­trie, die einen An­teil von mehr als 40 Pro­zent an der che­mi­schen Ge­samt­pro­duk­ti­on der DDR hatte. Die­ser In­dus­trie­zweig war an den Stand­or­ten Halle-​Merseburg, Bitterfeld-​Wolfen, Wittenberg-​Coswig und Weißenfels-​Zeitz kon­zen­triert. Die gro­ßen Kom­bi­na­te wie Leuna und Buna be­stimm­ten das Ge­sicht des Be­zir­kes und gaben ihm den Bei­na­men „Che­mie­ar­bei­ter­be­zirk“. 
Durch die reich­hal­ti­gen Vor­kom­men von Bo­den­schät­zen wur­den der Braun­koh­len­ta­ge­bau und die För­de­rung von Stein-​ und Ka­li­sal­zen zu wich­ti­gen In­dus­trie­zwei­gen, sie stell­ten zu­gleich we­sent­li­che Stand­ort­fak­to­ren für die che­mi­sche In­dus­trie dar. Be­deu­ten­de Kup­fer­schie­fer­vor­rä­te in der Mans­fel­der und Sangerhau­se­ner Mulde bil­de­ten die Grund­la­ge für den Mans­fel­der Kup­fer­berg­bau. Die Ver­hüt­tung er­folg­te in Eis­le­ben und Hett­stedt, der Volks­ei­ge­ne Be­trieb (VEB) Eisen-​ und Hüt­ten­wer­ke Thale war ein wich­ti­ger Be­trieb der Eisen-​ und Stahl­in­dus­trie. Wei­te­re prä­gen­de In­dus­trie­zwei­ge waren der vor allem auf den Be­darf der In­dus­trie des Be­zir­kes aus­ge­rich­te­te Schwer­ma­schi­nen­bau, der Fahr­zeug­bau mit der Her­stel­lung von Schie­nen­fahr­zeu­gen (VEB Wag­gon­fa­brik Am­men­dorf, VEB Wag­gon­fa­brik Des­sau) und Fahr­rä­dern sowie die Her­stel­lung von Gas- und Elek­tro­ge­rä­ten. Leicht­in­dus­trie spiel­te da­ge­gen eine eher un­ter­ge­ord­ne­te Rolle, hier ist vor allem die in Wei­ßen­fels an­ge­sie­del­te Schuh­in­dus­trie zu nen­nen.
Dar­über hin­aus ver­füg­te der Be­zirk Halle über eine leis­tungs­fä­hi­ge Land­wirt­schaft. Mehr als 50 Pro­zent der Flä­che wurde land­wirt­schaft­lich ge­nutzt, der größ­te Teil als Acker­land.

Be­zirks­tag und Rat des Be­zir­kes

Die höchs­ten staat­li­chen Or­ga­ne auf Be­zirks­ebe­ne bil­de­ten die Be­zirks­ta­ge und die Räte der Be­zir­ke. Die kon­sti­tu­ie­ren­de Sit­zung des Be­zirks­ta­ges Halle und des Rates des Be­zir­kes Halle fand am 1. Au­gust 1952 statt. 
Die Mit­glie­der des Be­zirks­ta­ges wähl­ten den Rat des Be­zir­kes, den Vor­sit­zen­den des Rates des Be­zir­kes, seine Stell­ver­tre­ter und den Se­kre­tär sowie die Mit­glie­der der stän­di­gen Kom­mis­sio­nen. Au­ßer­dem wur­den durch den Be­zirks­tag der Di­rek­tor, die Rich­ter und die Schöf­fen des Be­zirks­ge­richts be­stimmt. Bis zum Jahre 1976 wurde der Be­zirks­tag alle vier Jahre, da­nach alle fünf Jahre ge­wählt.
Der Rat des Be­zir­kes war so­wohl dem Mi­nis­ter­rat der DDR als auch den ein­zel­nen Fach­mi­nis­te­ri­en un­ter­stellt. Er war ver­ant­wort­lich für die Durch­füh­rung der Ge­set­ze und Maß­nah­men der Re­gie­rung sowie der Be­schlüs­se des Be­zirks­ta­ges und übte An­lei­tung und Kon­trol­le ge­gen­über den Räten der Krei­se aus. 
Der Vor­sit­zen­de des Rates des Be­zir­kes – zu­gleich Mit­glied der Be­zirks­lei­tung der SED – trug die Ge­samt­ver­ant­wor­tung für die Rats­be­schlüs­se und war auch Lei­ter der Be­zirks­ka­ta­stro­phen­kom­mis­si­on. Wei­te­re Rats­mit­glie­der waren zu­stän­dig für die Be­zirks­plan­kom­mis­si­on, den Be­zirks­wirt­schafts­rat, für In­ne­res, Han­del und Ver­sor­gung, Land-, Forst-​ und Nah­rungs­gü­ter­wirt­schaft, Fi­nan­zen und Prei­se, Woh­nungs­po­li­tik, Ar­beit und Löhne, Ver­kehr und Nach­rich­ten­we­sen, Um­welt­schutz und Was­ser­wirt­schaft, Kul­tur, Ju­gend­fra­gen, Kör­per­kul­tur sowie Sport und Kir­chen­fra­gen. Dem Rat ge­hör­ten dar­über hin­aus der Be­zirks­arzt, der Be­zirks­bau­di­rek­tor und der Be­zirks­schul­rat an.
Auf­ga­ben und Tä­tig­keit von Be­zirks­tag/Rat des Be­zir­kes Halle wer­den vor allem im gleich­na­mi­gen Ar­chiv­be­stand do­ku­men­tiert. Über­lie­fert sind ins­be­son­de­re Rats­be­schlüs­se, Sit­zungs­pro­to­kol­le, Un­ter­la­gen der Stän­di­gen Kom­mis­sio­nen des Be­zirks­ta­ges, Planungs-​ und Lei­tungs­do­ku­men­te zu In­dus­trie und Land­wirt­schaft, Stand­ort­ge­neh­mi­gun­gen, In­ves­ti­ti­ons­ent­schei­dun­gen sowie Un­ter­la­gen zu den Sach­ge­bie­ten Wasser-​ und En­er­gie­wirt­schaft, Ver­kehrs­we­sen, Han­del und Ver­sor­gung, Bau­we­sen, Fi­nan­zen, Per­so­nen­stands­we­sen, In­ne­re An­ge­le­gen­hei­ten, Kir­chen­fra­gen, Volks­bil­dung, Kul­tur und Sport, Gesundheits-​ und So­zi­al­we­sen.
Dem Rat des Be­zir­kes Halle un­ter­stan­den zahl­rei­che nach­ge­ord­ne­te Be­hör­den, Ein­rich­tun­gen, Be­trie­be und Kom­bi­na­te.  Dazu ge­hör­ten auch die Büros für Städ­te­bau und Ar­chi­tek­tur, für Ter­ri­to­ri­al­pla­nung, für Ver­kehrs­pla­nung, die Lei­t­aka­de­mie des Bau­we­sens, die Be­zirks­stel­le für Tu­ber­ku­lo­se und Lun­gen­krank­hei­ten, das Be­zirks­hy­gie­ne­in­sti­tut, die Be­zirks­stel­le für Ärzt­li­ches Be­gut­ach­tungs­we­sen, das Be­zirks­in­sti­tut für Blut­spen­de und Trans­fu­si­ons­we­sen, ver­schie­de­ne Kli­ni­ken, die Kinder-​ und Ju­gend­sport­schu­le, die Be­zirks­mu­sik­schu­le, das Haus des Leh­rers und die In­sti­tu­te für Leh­rer­bil­dung, meh­re­re Spe­zi­al­hei­me, die Be­zirks­film­di­rek­ti­on, die Konzert-​ und Gast­spiel­di­rek­ti­on der VEB Be­zirks­di­rek­ti­on für Stra­ßen­we­sen und der VEB Woh­nungs­bau­kom­bi­nat Halle. Dazu exis­tie­ren bei­spiels­wei­se die Ar­chiv­be­stän­de Büro für Ter­ri­to­ri­al­pla­nung, Be­zirks­hy­gie­ne­in­sti­tut, Be­zirks­di­rek­ti­on für Stra­ßen­we­sen sowie Un­ter­la­gen der Ju­gend­werk­hö­fe Bern­burg und Wit­ten­berg.

1989/90

Nach der Fried­li­chen Re­vo­lu­ti­on im Ok­to­ber und No­vem­ber 1989 blieb der Rat des Be­zir­kes zu­nächst ge­schäfts­füh­rend im Amt. Auf der Sit­zung der Volks­kam­mer der DDR am 17. Mai 1990 wurde be­schlos­sen, die Le­gis­la­tur­pe­ri­ode der Be­zirks­ta­ge zum 31. Mai 1990 zu be­en­den. Somit fand die letz­te Sit­zung des Be­zirks­ta­ges Halle am 28. Mai 1990, die des Rates des Be­zir­kes Halle am 7. Juni 1990 statt.
Für die Zeit des Über­gangs bis zur Län­der­bil­dung über­nah­men Re­gie­rungs­be­voll­mäch­tig­te die Lei­tung der Be­zirks­ver­wal­tungs­be­hör­den. Der Re­gie­rungs­be­voll­mäch­tig­te in Halle war zu­stän­dig für die Ver­wal­tung des noch be­stehen­den Be­zir­kes Halle sowie die Vor­be­rei­tung der Län­der­bil­dung, die per Ge­setz vom 22. Juli 1990 durch die Volks­kam­mer be­schlos­sen wurde.
Mit Wie­der­ein­rich­tung des Lan­des Sachsen-​Anhalt wurde schließ­lich unter an­de­rem der Re­gie­rungs­be­zirk Halle ge­bil­det und ein ent­spre­chen­des Re­gie­rungs­prä­si­di­um mit Sitz in Halle ge­schaf­fen.

Be­stän­de

Die aus dem Be­zirk Halle über­lie­fer­ten Be­stän­de des Lan­des­ar­chivs wer­den am Stand­ort Mer­se­burg ver­wahrt. Hier­zu zählt ins­be­son­de­re der um­fang­rei­che Be­stand Be­zirks­tag/Rat des Be­zir­kes Halle. Dabei sei dar­auf hin­ge­wie­sen, dass sich Un­ter­la­gen zu den oben ge­nann­ten Zu­stän­dig­kei­ten nicht nur in die­sem Be­stand, son­dern auch in den ei­ge­nen Über­lie­fe­run­gen der In­sti­tu­tio­nen be­fin­den kön­nen.
Des Wei­te­ren wer­den Un­ter­la­gen von Jus­tiz­be­hör­den (wie Jus­tiz­ver­wal­tungs­stel­le, Be­zirks­ge­richt Halle, Kreis­ge­rich­te), Po­li­zei­be­hör­den (vor allem Be­zirks­di­rek­ti­on der Volks­po­li­zei, Volks­po­li­zei­kreis­äm­ter) und der Arbeiter-​ und Bau­ern­in­spek­ti­on ar­chi­viert.
Zur Ge­schich­te des Be­zir­kes Halle sind auch die Be­stän­de der Par­tei­en und Or­ga­ni­sa­tio­nen, ins­be­son­de­re die um­fäng­li­che SED-​Überlieferung, sowie die Be­stän­de der Volks­ei­ge­nen Be­trie­be und Kom­bi­na­te er­wäh­nens­wert.

Zum Sei­ten­an­fang

Der Be­zirk Mag­de­burg 1952–1990

Im Juli 1952 er­folg­te die Um­wand­lung der fünf Län­der der DDR in 15 Be­zir­ke. Eine straf­fe Zen­tra­li­sie­rung mit klein­glied­ri­ger Ge­biets­ver­wal­tung soll­te dazu bei­tra­gen, den so­zia­lis­ti­schen Ein­heits­staat zu schaf­fen. Das Land Sachsen-​Anhalt wurde in die Be­zir­ke Halle und Mag­de­burg auf­ge­teilt.
Der Be­zirk Mag­de­burg war der zweit­größ­te Be­zirk der DDR. Er be­stand 1952 aus 21 Land­krei­sen und dem Stadt­kreis Mag­de­burg. Auf Grund von Zu­sam­men­le­gun­gen schrumpf­te bis 1988 die Zahl auf 17 Krei­se mit 655 Ge­mein­den.
Die Be­völ­ke­rungs­zahl des Be­zir­kes nahm stän­dig ab: von 1,5 Mil­lio­nen Ein­woh­nern 1952 über 1,39 Mil­lio­nen 1960 bis auf 1,25 Mil­lio­nen im Jahre 1988.

Wirt­schafts­struk­tur

Wäh­rend der Be­zirk Halle zu den stärks­ten In­dus­trie­be­zir­ken der DDR ge­hör­te, war für den Be­zirk Mag­de­burg seine Land­wirt­schaft cha­rak­te­ris­tisch.
Be­dingt durch die Größe der nutz­ba­ren Flä­che und durch die hohe Bo­den­wert­zahl der Börde war der Be­zirk Mag­de­burg der größ­te Agrar­pro­du­zent der DDR und wich­ti­ger Lie­fe­rant für Schlacht­vieh, Kar­tof­feln, Ge­mü­se und Zu­cker. 60 Pro­zent der Be­zirks­flä­che wur­den land­wirt­schaft­lich ge­nutzt, etwa ein Vier­tel war be­wal­det.
Ver­schie­de­ne Bo­den­schät­ze gaben dem Be­zirk eine zu­neh­men­de Be­deu­tung für die Volks­wirt­schaft der DDR. Der Volks­ei­ge­ne Be­trieb (VEB) Ka­li­be­trieb Ernst Schnel­ler Zie­litz hatte einen An­teil von  etwa einem Vier­tel an der ge­sam­ten Ka­li­dün­ge­mit­tel­er­zeu­gung der DDR. Mit einer jähr­li­chen För­de­rung von etwa 13 Mil­li­ar­den Ku­bik­me­tern Erd­gas, der Er­wei­te­rung der Groß­ga­se­rei Mag­de­burg und dem im Bau be­find­li­chen Kern­kraft­werk St­endal besaß der Be­zirk ein er­heb­li­ches Ge­wicht als Brennstoff-​ und En­er­gie­ver­sor­ger.
Prä­gen­de In­dus­trie­zwei­ge des Be­zir­kes waren tra­di­tio­nell der Schwermaschinen-​ und An­la­gen­bau sowie die Elek­tro­tech­nik und die che­mi­sche In­dus­trie. Her­aus­ra­gen­der In­dus­trie­stand­ort des Be­zir­kes war Mag­de­burg (VEB Schwer­ma­schi­nen­bau Ernst Thäl­mann; VEB Schwer­ma­schi­nen­bau Karl Lieb­knecht; VEB Schwer­ma­schi­nen­bau Ge­or­gi Di­mitroff und VEB Mag­de­bur­ger Ar­ma­tu­ren­wer­ke Karl Marx). Da­ne­ben be­fan­den sich wich­ti­ge In­dus­trien in den Krei­sen Schö­ne­beck, Staß­furt, Wer­ni­ge­ro­de und Salz­we­del.
Mit dem Mag­de­bur­ger Hafen besaß der Be­zirk zudem den größ­ten Bin­nen­ha­fen der DDR.
Der Be­zirk Mag­de­burg ver­füg­te über den größ­ten An­teil an der in­ner­deut­schen Gren­ze und über drei für den deutsch-​deutschen Ver­kehr wich­ti­ge Ver­kehrs­we­ge. Die Grenz­über­gangs­stel­le Ma­ri­en­born an der Au­to­bahn Han­no­ver – Ber­lin war die be­deu­tends­te Grenz­über­gangs­stel­le zwi­schen der Bun­des­re­pu­blik und der DDR.

Be­zirks­tag und Rat des Be­zir­kes

Die höchs­ten staat­li­chen Or­ga­ne in den Be­zir­ken bil­de­ten die Be­zirks­ta­ge und die Räte der Be­zir­ke. Das obers­te Organ war der Be­zirks­tag, des­sen Ab­ge­ord­ne­te bis 1976 alle vier, dann alle fünf Jahre ge­wählt wur­den. Der Be­zirks­tag in Mag­de­burg kon­sti­tu­ier­te sich am 8. Au­gust 1952.
Tat­säch­lich war der Be­zirks­tag ein Schein­par­la­ment, das eben­so wie der Rat des Be­zir­kes von der SED-​Bezirksleitung po­li­tisch an­ge­lei­tet und kon­trol­liert wurde. Die Auf­ga­be des Be­zirks­ta­ges be­stand darin, auf der Be­zirks­ebe­ne die An­ord­nun­gen und Maß­nah­men des Staats­ra­tes und des Mi­nis­ter­ra­tes zu le­gi­ti­mie­ren.
Der Rat des Be­zir­kes war das voll­zie­hen­de und ver­fü­gen­de Organ des Be­zirkta­ges. Er wurde vom Be­zirks­tag ge­wählt und setz­te sich aus dem Vor­sit­zen­den, fünf Stell­ver­tre­tern, dem Se­kre­tär und fünf bis acht wei­te­ren Mit­glie­dern zu­sam­men.
Die Tat­sa­che, dass der Vor­sit­zen­de des Rates des Be­zir­kes den Be­zirks­tag ein­be­rief und er­öff­ne­te, hob die bis­he­ri­ge Ge­wal­ten­tren­nung zwi­schen Exe­ku­ti­ve und Le­gis­la­ti­ve auf.
Ab dem 1. Au­gust 1952 über­gab das Mi­nis­te­ri­um des In­nern dem Rat des Be­zir­kes Mag­de­burg die für die Ver­wal­tung sei­nes Be­zir­kes not­wen­di­gen lau­fen­den Ge­schäfts­ak­ten.
Am 1. Ok­to­ber 1952 be­gann die Be­zirks­be­hör­de der Deut­schen Volks­po­li­zei Mag­de­burg als neue, den Volkspolizei-​Kreisämtern vor­ge­setz­te Dienst­stel­le, selbst­stän­dig zu ar­bei­ten. Sie un­ter­stand di­rekt dem Mi­nis­ter des In­nern. Mit dem In-​Kraft-Treten des Ge­set­zes über die Ver­fas­sung der Ge­rich­te der DDR am 15. Ok­to­ber 1952 wur­den aus dem Land­ge­richt Mag­de­burg das Be­zirks­ge­richt und aus den Amts­ge­rich­ten die Kreis­ge­rich­te.

1989/90

Nach der Fried­li­chen Re­vo­lu­ti­on im Ok­to­ber und No­vem­ber 1989 blieb der Rat des Be­zir­kes zu­nächst ge­schäfts­füh­rend im Amt.
Um je­doch bis zur Bil­dung funk­ti­ons­fä­hi­ger Län­der die Re­gie­rungs­fä­hig­keit in den Be­zir­ken zu er­hal­ten, be­schloss der Mi­nis­ter­rat der DDR am 2. Mai 1990, dass die Räte der Be­zir­ke nur im Rah­men der Auf­trags­ver­wal­tung tätig blei­ben durf­ten. Al­ler­dings setz­te der Mi­nis­ter­prä­si­dent Re­gie­rungs­be­voll­mäch­tig­te als Be­hör­den­lei­ter ein, was für den Be­zirk Mag­de­burg am 11. Juni 1990 ge­schah.
Am 28. Mai 1990 be­schloss der Be­zirks­tag, seine Le­gis­la­tur­pe­ri­ode zu be­en­den und tagte zum letz­ten Mal.

Be­stän­de

Aus der Tä­tig­keit staat­li­cher Be­hör­den und In­sti­tu­tio­nen im Be­zirk Mag­de­burg von 1952 bis 1990 ist eine Viel­zahl von Be­stän­den er­wach­sen, die am Stand­ort Mag­de­burg ver­wahrt wer­den.
Das Ver­wal­tungs­han­deln ist haupt­säch­lich im Be­stand Be­zirks­tag/Rat des Be­zir­kes und in den Be­stän­den der Volks­po­li­zei über­lie­fert. Die Über­lie­fe­run­gen der Ge­rich­te und Jus­tiz­be­hör­den er­stre­cken sich da­ge­gen nicht über den ge­sam­ten Zeit­raum. Über diese Be­stän­de hin­aus sind auch die Be­stän­de der Ge­wer­be­po­li­tik, der Land- und Forst­wirt­schaft, des Fi­nanz­we­sens und der Arbeiter-​ und Bauern-​Inspektion zu nen­nen.
Zur Ge­schich­te des Be­zir­kes Mag­de­burg sind nicht zu­letzt die Be­stän­de der Par­tei­en und Or­ga­ni­sa­tio­nen, ins­be­son­de­re die um­fäng­li­che SED-​Überlieferung, und die Be­stän­de der Volks­ei­ge­nen Be­trie­be und Kom­bi­na­te her­vor­zu­he­ben.

Zum Sei­ten­an­fang