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Oktober 1989

Spruchbänder und Sprechchöre drückten im Oktober die politischen Inhalte der friedlichen Demonstrationswelle aus – Losungen wie die am 23. Oktober in Halle gezeigten standen für eine in Bewegung geratene Gesellschaft (auch wenn sich zunächst nur eine wachsende Minderheit auf die Straße wagte).

Die Bürger der DDR setzten in diesem Monat ihre Massenflucht fort – die DDR stoppte daraufhin den pass- und visafreien Reiseverkehr mit der CSSR.
Vor allem aber traten die Bürger aus der Untertanenrolle und ernannten sich zum Souverän. Der Festakt zum 40. Jahrestag wurde von „Gorbi, Gorbi“- und „Wir sind das Volk“-Sprechchören begleitet.

Polizeiliche Berichte über die „politisch-operative Lage“ registrierten „verstärkt Aktivitäten, die staatlichen Interessen widersprachen“:

Die ansteigende Demonstrationswelle erfasste alle Regionen der DDR und beschränkte sich nicht auf die Zentren.
Das Zeichen zur Revolution gab dabei Leipzig, wo der gewaltlose Sturz der Diktatur von Innen vorbereitet wurde. Am 9. Oktober vollzog sich bei der Demonstration der 70.000 die Verschmelzung von Opposition und Volksprotest – der permanente Druck der Straße veränderte bis zum Mauerfall die politischen Verhältnisse in der DDR grundlegend.
Die Gewaltlosigkeit des Protests prägte nicht nur den entscheidenden Tag der Friedlichen Revolution, sondern auch die folgenden Wochen – am 30. Oktober demonstrierten in Leipzig bereits 300.000 Menschen.

Auch innerhalb der SED, deren Generalsekretär Erich Honecker am 17. Oktober von Egon Krenz abgelöst wurde, steigerte sich der Widerspruch:

Mit „offensiven Disziplinierungs- und Kontrollmaßnahmen“ reagierten SED, MfS und Volkspolizei auf eine Vielzahl systemkritischer Veranstaltungen im kirchlichen Umfeld.

Die Oppositionsgruppen bekannten sich am 4. Oktober in einer „Gemeinsamen Erklärung“ zum Willen, „Staat und Gesellschaft demokratisch umzugestalten“. In den ersten Oktobertagen gründeten sich der Demokratische Aufbruch und die Sozialdemokratische Partei; das Neue Forum bemühte sich weiter um seine Zulassung.

Die Organisationswilligkeit und die zunehmend öffentlicheren Stellungnahmen der Opposition breiteten sich in immer mehr Bereiche aus:

Auch wenn die „staatliche öffentliche Ordnung und Sicherheit“ noch als „gewährleistet“ eingeschätzt wurde, erfolgte die verstärkte Mobilisierung der Kampfgruppen.

Die zunehmende Verunsicherung von Staat und Partei zieht sich leitmotivisch durch die Quellen:

Die Themenschwerpunkte im Oktober 1989